geboren 1929 Baden

Die kunsthistorische Bedeutung des 1929 in Baden geborenen Arnulf Rainers ist unwiderruflich, gilt er doch als einer der Begründer des Informel in Österreich. Die in den 1950er Jahren entwickelten „Übermalungen“ machten ihn weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und im internationalen Kollegenkreis berühmt. Seine intensive Suche nach neuen Wegen der Malerei und die stetige Entwicklung neuer künstlerischer Strategien, begleitet von performativen Arbeiten und umfangreichen Schriften, machen Arnulf Rainer zu einem der einflussreichsten lebenden Künstler der Gegenwart.

Seine Ehrung 1978 mit dem Österreichischen Staatspreis für Malerei war ebenso eine Folge seines künstlerischen Erfolges wie seine Berufung als Professor an die Akademie der bildenden Künste in Wien als Leiter einer Meisterklasse 1981. Im selben Jahr zeichnete die Stadt Frankfurt Arnulf Rainer mit dem Max-Beckmann-Preis aus, und er wurde in die Akademie der Künste in Berlin aufgenommen. 1972, 1977 und 1982 präsentierte der Künstler seine Werke auf der documenta in Kassel und vertrat 1978 und 1980 Österreich bei der Biennale in Venedig. 1989 fand eine Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum statt. Anlässlich seines siebzigsten Geburtstages organisierten das Stedelijk Museum in Amsterdam und das Kunstforum in Wien große Werkschauen. Seit 2002 widmet die Pinakothek der Moderne in München dem Künstler einen eigenen Raum. Darüber hinaus wurde 2009 in seiner Geburtsstadt Baden bei Wien das Arnulf Rainer Museum eröffnet.

In seiner Übermalung Des Stiftes Gurk nimmt Arnulf Rainer sozusagen eine Reanimation des dargestellten Ortes vor und bringt gleichzeitig durch die veränderten Sehgewohnheiten die authentische Wiedergabe zu Fall.

In einer Schicht grafischer und malerischer Gesten reagiert Rainer auf die Formvorgaben des Basis-Blattes. Übergreifende Gesetzmäßigkeiten mit anderen Arbeiten dieses Zyklus sind nicht feststellbar, die Möglichkeiten treten im Eingehen auf jeweils bestehende Formen auseinander. Im vorliegenden Blatt greift Rainer die Konturen in der Geländeformation heraus und verstärkt sie. Gleichzeitig platziert er wie in der „Handkolorierung“ rote Flecken in die Dächer und erhöht die Bergsilhouetten.

Er kontrastiert die indirekte Attitüde der Lithographie mit der direkten Geste und der Farbspur, die kühle Distanz des Druckes mit der Nähe der Überarbeitung. Im hier gezeigten Bild besteht Rainers Eingriff in der Hypertrophierung des Kolorierens. Was vier Jahrhunderte lang – freihändig und schabloniert – versucht hatte, den Illusions- und Harmonisierungsgrad der Ansichten zu erhöhen, wird hier in obsessivem Duktus zum Störfaktor landschaftlicher Ruhe und topographischer Rechtschaffenheit.

Zudem tritt mit der Überarbeitung des Druckes durch Rainer eine zweite Zeit-Ebene hinzu: Die historische Ansicht wird aus ihrer geschichtlichen Distanz gelöst und durch die gestische Aneignung sozusagen vergegenwärtigt. Dabei konterkariert die Geste des Malers als Ausdruck seines „Zeit-Inneseins“, seines Bewusstseins vom Zeitfluss des eigenen Ich, die Betonung der Überzeitlichkeit in der Vedute.

So begegnen einander in Rainers Arbeit Respektlosigkeit und Anerkennung: Die Verbesserung ist die Entstellung, die Entstellung ist die Verbesserung.

Literatur: 
Arnulf Rohsmann: Arnulf Rainer – Carinzia / Venezia, Topografia Superiore, im Katalog zur gleichnamigen Ausstellung der Kärntner Landesgalerie, Klagenfurt und der Galerie Ulysses, Wien 1992 I www.arnulf-rainer-museum.at


Rainer Arnulf
Reitter Edmund
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien

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