Wien 1860 – 1923 Wien
In einer sehr bewegten Zeit, in der seine Heimatstadt Wien baulich komplett verändert und der Grundstein für die Entwicklung Wiens zu einer Weltmetropole gelegt wurde, kam Carl Wenzel Zajicek am 29. Februar 1860 zur Welt. Er war der älteste Sohn von 24 Kindern des Hof-Uhrmachermeisters Franz Zajicek und sollte um die Jahrhundertwende zu den wichtigsten Vedutenmalern zählen. Die Familie wohnte in den 1870er Jahren in der Wiener Innenstadt, Bellariastraße 10, wo der Vater auch seine Werkstatt betrieb. Franz Zajicek war in seinem Beruf überaus angesehen, hatte er doch für die Wiener Weltausstellung 1873 eine außergewöhnlich aufwendige astronomische Uhr angefertigt.

Wie sein Vater erlernte auch Carl Wenzel Zajicek zunächst das Uhrmacherhandwerk und übte diesen Beruf nachweislich bis zur Jahrhundertwende aus. Trotz seines Talents auf diesem Gebiet erkannte er schon früh, dass seine Liebe der Malerei gehörte. So nahm er bereits in jungen Jahren bei Ludwig Krenn Unterricht in Architekturlehre und Malerei.

Gemeinsam mit seinen Freunden unternahm Zajicek etliche Reisen, die ihn als Künstler sehr inspirierten. Auch besuchte er regelmäßig das Kunsthistorische Museum und die Albertina, wo er die Aquarellkunst der dort ausgestellten großen Meister eingehend studierte.

Einer seiner ersten Aufträge war eine großformatige Darstellung der Ferdinandsbrücke, seinen Durchbruch als Maler verdankte er jedoch dem 1896 entstandenen Rundpanorama von Wien. Zu dieser Zeit fertigte er bereits regelmäßig diverse Aquarelle mit Wienmotiven an. In unerschöpflicher Arbeitslust und Liebe zu seiner Heimatstadt fand Zajicek in den folgenden Jahren die schönsten Blicke und „porträtierte“ diese. So entstand ab 1900 eine außerordentlich große Anzahl an hochwertigen Veduten, großteils Auftragsarbeiten, die seinen Ruf als genialen Aquarell-Künstler untermauerten. Doch Zajicek malte auch für sich selbst immer wieder Ansichten, zu denen er persönlich eine große Affinität verspürte, wie zum Beispiel das Wiener Uhrenmuseum. Dieses hatte sich 1917 in Wien 1, Schulhof 2 konstituiert und wurde zu einem seiner bevorzugten Motive, nicht nur der architektonischen Schönheit wegen, sondern auch aus seiner Familientradition heraus.

Das Werk des Künstlers ist untrennbar verbunden mit der Regierungszeit Kaiser Franz Josefs I., denn ein 1857 vom Kaiser erlassenes Dekret sollte nicht nur Wien in seiner baulichen Substanz einschneidend verändern, sondern auch das Leben von Carl Wenzel Zajicek stark beeinflussen. Auf Wunsch des Kaisers wurde die Schleifung fast aller Basteien durchgeführt, um eine damals durch die Enge des Stadtzentrums bereits dringend notwendig gewordene Stadterweiterung zu ermöglichen. Dadurch wurde zwar Platz für Neues, wie die Ringstraße, geschaffen, gleichzeitig aber auch das Ende des alten Wien markiert.

Als bekanntem Wiener Vedutenmaler wurden Zajicek zahlreiche Werke in Auftrag gegeben, u. a. auch vom Kaiserhaus, die die ursprüngliche Stadt, ihre Basteien, Stadttore und Palais, die dieser Stadtvergrößerung zum Opfer gefallen waren, in Bildnissen bewahrten. Bereits Verloren-gegangenes wurde vom Künstler nach alten Vorlagen und Fotos gemalt.

Abschließend muss festgehalten werden, dass sich Zajiceks hervorragender Ruf als Vedutenmaler vor allem auf die gekonnte Wiedergabe von Licht- und Schatteneffekten und seiner ihm eigenen atmosphärischen Schilderung des alten Wien begründet. So wundert es nicht, dass seine Werke damals wie heute bei Kunstkennern und Sammlern hoch im Kurs stehen.


Zafaurek Gustav
Zajicek Carl Wenzel
Zatzka Hans
Zetsche Eduard
Zoff Alfred
Zülow Franz von
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien