Wolframitzkirchen 1915 – 1995 Wien

Carl Unger wurde am 24. August 1915 in Wolframitzkirchen bei Znaim in Mähren, der heutigen Tschechischen Republik, geboren. Bereits ab 1930 besuchte er die private Malschule Streicher in Wien, ab 1934 den Abendakt bei Viktor Schufinsky und Anton Kenner an der Kunstgewerbeschule und anschließend jenen bei Christian Ludwig Martin an der Akademie der bildenden Künste. In den Jahren 1935 bis 1939 setze Unger seine Studien an der Wiener Akademie in der Meisterklasse von Herbert Boeckl fort, dessen Tochter Maria er 1943 heiratete. Bereits 1936 war der junge Künstler für zwei Monate nach Paris gereist und hatte dort u. a. die große Retrospektive von Paul Cézanne gesehen, ein Erlebnis, das ihn nachhaltig prägte. 1939 unternahm Unger eine Reise nach Italien und kam dort mit der Kunst der Futuristen in Kontakt.

Carl Unger zählt zu jener Generation von Malern, deren Beginn der künstlerischen Laufbahn mit der Nachkriegszeit zusammenfällt. 1947 war er Mitbegründer des legendären Art Clubs in Wien, zusammen mit Gleichgesinnten wie Albert Paris Gütersloh, Fritz Wotruba, Edgar Jené oder Gustav Kurt Beck, und begann im selben Jahr seine Lehrtätigkeit an der Akademie für angewandte Kunst, zunächst als Assistent von Professor Anton Kenner. Bereits 1950 übernahm er die Leitung der Klasse für das Studium der menschlichen Gestalt. Zuvor reiste er ein weiteres Mal nach Paris, um sich dort intensiv mit dem Werk Wassily Kandinskys auseinander zu setzen. Die Stadt an der Seine blieb auch in den folgenden Jahren ein wichtiger Attraktor im Leben des jungen Malers, und Unger schloss Freundschaften mit französischen Kollegen wie Fernand Léger, Ossip Zadkine oder Georges Braque.

Ab 1963 leitete Carl Unger die Meisterklasse für Malerei, Grafik und Glasmalerei, in der er stets die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis herausstrich. 1969 wurde er zum Professor ernannt, und von 1971 bis 1975 bekleidete er das Amt des Rektors an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst. Ungers Schaffen war in all diesen Jahren von einer regen Reisetätigkeit, einer Fülle öffentlicher Aufträge sowie unzähligen Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen begleitet. Darüber hinaus erhielt er den Österreichischen Staatspreis für Malerei, die Silbermedaille der XII. Triennale in Mailand, die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold, den Päpstlichen Silvester-Orden ebenso wie das Große Verdienstkreuz der Republik Österreich.

Die Arbeiten der ersten Jahrzehnte zeigen eine intensive Auseinandersetzung mit der Internationalen Moderne. Im Folgenden entwickelte er sich stilistisch vom Expressionismus über eine kubistische Phase zur Abstraktion. Bereits 1952 entstanden in seinem Atelier Werke, die ihre Zugehörigkeit zur Strömung der lyrischen Abstraktion manifestieren. In seinem reifen Werk ging Unger zu einer farbintensiven, ausgesprochen gestischen, von der informellen Kunst inspirierten Gestaltungsweise über.

Sehr häufig bilden bestimmte Themen eine eigene Werkgruppe. In jeder dieser Gruppen wird die Vorliebe zur Variation deutlich. „Es ist wie ein Kaleidoskop, ich schaue durch, und die Landschaft wird für mich zu einer abstrakten Landschaft“, sagte der Künstler selbst über seine Arbeitsweise. „Charakteristisch für den Blick durch das Kaleidoskop ist, dass sich der Blick durch eine winzige Drehbewegung des Betrachters wieder völlig verändern kann und sich trotz unveränderter Bestandteile neue Varianten des Farbspiels ergeben.“ Ungers malerisches Schaffen birgt eine unerschöpfliche Fülle solcher kaleidoskopartiger Variationen und macht auf diese Weise stets neue Varianten der Motive sichtbar. Indem er die Natur mit Hilfe eines sehr sparsamen und straffen Repertoires interpretierte, setzte Carl Unger in der österreichischen Malerei der Nachkriegszeit wichtige Akzente. Durch die Reduktion der Farbe auf die wesentlichen Aspekte des jeweiligen Erlebnisses schuf er vor allem im Bereich der Landschaftsdarstellung unverwechselbare Kunstwerke.

 


Unger Carl
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien