geboren 1949 Leopoldsdorf

Bereits 1976 holte Walter Koschatzky den 27jährigen, kaum der Akademie entwachsenen Roman Scheidl mit einer ersten Einzelausstellung „Hauseinsturz – Niedergang einer Hochkultur“ in die Grafische Sammlung Albertina in Wien. Gleichzeitig präsentierte der junge Künstler in der renommierten Galerie Ariadne in der Bäckerstraße „Ausblicke auf die Ölmalerei“ und wurde dank seiner erstaunlichen gedanklichen Präzisierung zum Senkrechtstarter am Wiener Kunsthimmel.

Doch war ihm das geistige Klima der 1970er Jahre hierzulande zu einschränkend, denn er hatte bereits als Kind „Weltluft“ geschnuppert, mit seiner Familie in München und Berlin gelebt. Er war zwar 1964 nach Wien zurückgekehrt, hatte 1969 sein Studium an der Wiener Akademie bei Max Melcher aufgenommen und dieses mit eben jener in der Albertina gezeigten Diplomarbeit „Hauseinsturz“ abgeschlossen. Schon seine frühesten Arbeiten präsentierte der Künstler aber auch in Stockholm, New York, Köln und der Schweiz.

Seine Großeltern waren aufgrund eines Wettbewerbs in den 1920er Jahren, trotz Weltwirtschaftskrise und großer politischer Unruhen, fünf Jahre lang zu Fuß über vier Kontinente gewandert und konnten sich mit dem Preisgeld 1932 ein Grundstück im Süden von Wien mit einer alten, verfallenen Ziegelei kaufen.

Der Familientradition folgend, entwickelte sich Roman Scheidl zu einem „österreichischen Weltbürger“ mit Ateliers in der Schweiz (ab 1982), später in Paris, mit Wurzeln aber im niederösterreichischen Leopoldsdorf, wo er als Kind viel Zeit mit der Großmutter verbrachte. Die umliegende Landschaft von Laxenburg bis zum Wienerwald ist in den Tiefen seines malerischen Gedächtnisses gespeichert und findet bis heute Eingang in seine Gemälde, wie die „Drei Freiheiten über drei Quellen (Hinterbrühl)“ deutlich machen. Hier thematisiert Scheidl eines seiner wichtigsten figuralen Leitmotive, das seit 1987 sein Werk durchzieht und auf den Einfluss fernöstlicher Philosophie und Kunst verweist. „Die erste Freiheit ist, dass man lebt. Die zweite, dass man denkt. Die dritte, dass man dadurch zu handeln imstande ist.“ (Johannes Jetschgo) Nicht nur in der Technik, sondern auch im Stil erinnert dieses Bild, in dem sanftes Blau und energievolles Rot dominieren, an chinesische und japanische Welten, doch haben seine Figuren etwas Universelles, Schwebendes an sich, das uns sehr vertraut erscheint. Der Künstler selbst vergleicht das Thema der Freiheiten und seinen Stellenwert im eigenen Werk gerne mit den „Seerosenbildern“ im Schaffen von Claude Monet.

Darüber hinaus ist Bewegung ein wesentliches Element in seinem Œuvre, seit er in Zürich nicht nur Joseph Beuys, sondern auch die Schweizer Tänzerin und Choreografin Bettina Nisoli kennengelernt hat. Das äußere Bewegungselement ist einerseits als Symbol für die innere Bewegung zu verstehen – eine Voraussetzung für jede Erneuerung. Andererseits setzt der Künstler Bewegung als Kontrapunkt zum Aspekt der Ruhe und des Innehaltens ein, der geheimnisvoll wie ein Rätsel aus seinen Bildern klingt.

 

Die Träne des Poeten
Öl auf Leinwand
signiert, verso bezeichnet und datiert 2010
WVZ-Nr. 20-10 / 31
120 x 90 cm

Drei Freiheiten über drei Quellen (Hinterbrühl)
Öl auf Leinwand
signiert, verso bezeichnet und datiert 2009
WVZ-Nr. 20-09/23
150 x 150 cm


Scheibl Hubert
Scheidl Roman
Schmalix Hubert
Schwertberger De Es
Soshana
Stark Karl
Staudacher Hans
Suppin Lucas
Szaal Adrian
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien