Dieses Tafelbild, das Peter Proksch als einen der renommiertesten Künstler aus dem Kreis der Wiener Phantastischen Malerei ausweist, gestattet traditionellen Kunstgenuss: Es fasziniert durch die Poesie seiner Komposition, Farbenpracht und Liebe zum Detail und belegt die Sehnsucht des Künstlers nach Schönheit, Harmonie und Sinnhaftigkeit. Zugleich ist das Gemälde aber in hohem Grade modern, wenn „modern sein“ heißt, geistige Erlebnisse im Betrachter anzuregen. Denn solche Erlebnisse sind zeitlos

Peter Proksch wurde 1935 als erstes von vier Kindern in Wien geboren. Schon früh wurde er von den Berufen seiner Eltern inspiriert: Der Vater Alfred Proksch war Graphiker und förderte das Zeichentalent seines Sohnes, die Mutter war Mannequin und schärfte den Sinn des späteren Künstlers für Ästhetik. Ab 1950 studierte Peter Proksch an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, welche er 1955 mit dem Meisterdiplom abschloss. Anschließend besuchte er die Akademie der bildenden Künste, zu Beginn die Meisterklasse von Robin Christian Andersen. Von dieser wechselte er aber schon bald in die Meisterklasse von Sergius Pauser, wo sich ihm die Möglichkeit bot, die Maltechnik der Alten Meister, eine klassische Mischtechnik, zu erlernen. Er vervollständigte seine umfangreiche Ausbildung mit dem Studium künstlerischer Drucktechniken bei Christian Ludwig Martin.

1962 stellte Proksch erstmals einige Radierungen aus, bereits ein Jahr darauf wurde eine Personalausstellung des Künstlers in Wien gezeigt. Diese brachte Kontakte zu Galerien, Kunsthändlern, Sammlern und in der Folge Ausstellungsmöglichkeiten in aller Welt und schuf so die Basis für den späteren Erfolg von Peter Proksch, der schon bald zu den wichtigsten Vertretern der Phantastischen Malerei in Österreich zählte. Seine Gemälde wurden u.a. in Paris, Rom, Turin, München, Köln, Düsseldorf, Basel, Vaduz, Tokio, New York, Tel Aviv, Caracas und nicht zuletzt in Österreich gezeigt und stießen rund um den Globus auf Anerkennung, ja Begeisterung. So war eine große Personale 1967 in Wien bereits am Tag der Eröffnung ausverkauft.

Dass die grandiosen Werke von Peter Proksch heute nicht nur die Räumlichkeiten vieler bedeutender Privatsammlungen zieren, verwundert also nicht. Wichtige Arbeiten befinden sich darüber hinaus in der fürstlichen Gemäldesammlung des Hauses Liechtenstein, in der Albertina und der Secession ebenso wie im Naturhistorischen Museum Wien und dem Egon-Schiele-Museum.

Im Jahr 2010 wurde Proksch das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien verliehen. Zudem wurde er mit der Goldenen Fügermedaille der Akademie der bildenden Künste und der Medaille de bronce en section peinture der Société des Artistes Français ausgezeichnet.

Das Œuvre von Peter Proksch umfasst verschiedene Maltechniken wie Aquarell, Tempera, Öl und Acryl ebenso wie Druckverfahren. Seine berühmten Tafelbilder aber malte er meist in der Manier der Alten Meister. Es ist dies eine vielschichtige Lasurtechnik, bei der die noch nassen Öllasuren mit weißer Eitempera gehöht werden. Diese aufwendige und zeitraubende Methode erfordert Sorgfalt und Konzentration, jedoch können mit keiner anderen Technik eine vergleichbare Leuchtkraft der Farben und Präzision der Details erreicht werden.

 Orientiert sich die Malweise an der technischen Perfektion der Alten Meister, so tritt in den Motiven meist eine Synthese aus Mythologie, Magie und Symbol in Erscheinung. Die Bildsujets umfassen  mythische Themen, kosmische Träume, alttestamentarische Fabeln und apokalyptische Visionen ebenso wie psychologisierende oder surrealistische Elemente. Proksch´ Bilder eröffnen sich zwar sehr vielschichtig der Deutung, bedürfen aber im Grunde keiner Erklärung. Denn der Künstler malte stets den Seelenraum seiner Empfindungen, von Rilke so trefflich als „Weltinnenraum“ bezeichnet.

Das nebenstehende Gemälde ist zweifellos eines der späten Hauptwerke des Künstlers – ein sehr persönliches Bild, in dem Peter Proksch seinen schöpferischen Animus, die innige Verbindung zwischen Maler und Muse, in äußerst gelöster und harmonischer Weise thematisiert und so symbolisch verschlüsselt das Geheimnis des Lebens und der Welt (das wir in unserem rationalen Zeitalter sehr leicht aus den Augen verlieren) erlebbar macht.

 

 


Pack Claus
Pippal Martina
Politzer Franz
Profunser Hans - Peter
Proksch Peter
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien