geboren 1966 Košice (Slowakei)

Als legitime Nachfolgerin von Max Beckmann und Ernst Ludwig Kirchner ist Saša Makarová, die Grenzen der Kunstgeschichte sprengend, eine Vertreterin des postmodernen Expressionismus und eine Traumfängerin par excellence. All unsere Wünsche und Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte verfangen sich in ihren Phantasien: Als Hohepriesterin des Schönen an der Staffelei zeigt die Künstlerin, was uns bewegt, und lotet mit ihren Bildern die ganze Bandbreite femininen Selbstverständnisses aus. Gisela Sonnenburg

Saša Makarová, als Tochter eines Malers in der Slowakei geboren, erwarb ihr handwerkliches Rüstzeug während ihrer Studienzeit an der Wiener Universität für angewandte Kunst als Schülerin von Adolf Frohner, was sich in ihrem Œuvre jedoch nicht in akademischem Theoretisieren, sondern ausschließlich in der Reflexion des Malerischen, in einem Abwägen möglicher Farbgebungen und Kontraste niederschlägt.

Der Meisterklasse bei Professor Frohner, dem Begabtenstipendium und ihrem Diplom mit Auszeichnung ging ein Studium der Restaurierung an der Akademie der bildenden Künste in Bratislava voran, bei dem sie beispielsweise den Techniken gotischer Malerei Schicht um Schicht zurück auf den Grund ging. Die Erfahrungen dieser Ausbildung haben eine solide Basis gebildet, sodass die Künstlerin bis heute die leuchtenden Farben für jedes ihrer Bilder eigens anmischt.

So entsteht ein Universum aus explizit akzentuiertem Kolorit und Assoziationen, das in der Tradition des Expressionismus französischer, deutscher und österreichischer Prägung steht, dessen Fährte sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der figurativen Kunst zieht. In der Malerei Makarovás wirken die Fauves, die Brücke-Künstler und ihr Umfeld weiter, diese werden rezipiert und modifiziert, in der Auseinandersetzung mit diesen Malern hat sich Makarovás eigene Persönlichkeit entwickelt und gefestigt. „Ich für meinen Teil kann Einflüsse akzeptieren. Aber ich habe wohl immer gewusst, wie ich sie beherrschen kann“, zitiert die Künstlerin Henri Matisse. Und tatsächlich ist Saša Makarová „eine Bildbändigerin, eine Tigerin, die ihre inneren Bilder auf der Leinwand zu bändigen weiß“ (Julian Schutting), eine Heraufbeschwörerin von Imaginationen, die sie nach ihren Pinselstrichen tanzen macht.

Ihre Botschaften sind eine Offenbarung innerer und äußerer Reisen, das ikonografische Repertoire ihrer Frauengestalten reicht dabei vom melancholisch-verträumten Mädchen über die Grande Dame bis hin zur koketten, sinnlich-dominanten Verführerin. Dabei zeichnen sich ihre Bilder durch kraftvolle Konzentriertheit und überbordende Vitalität aus, denn kontemplative Stille wäre ganz entgegen ihrem Temperament. Den Meistern der Reduktion und Askese, der hermetischen Verinnerlichung, setzt Makarová überhöhte Sinneslust entgegen, Theatralik des Leibes und um Blickkontakt werbende Augenpaare, welche als suggestive Bestandteile der Figurencharakterisierung im Zusammenspiel mit einer fiebrig-resoluten Malweise die Ausstrahlung ihrer Arbeiten entscheidend beeinflussen. Aus halbbewussten Seelenschichten drängen Themen nach Bildwerdung. Doch bringen Kunstverstand und Selbstkontrolle unerlöst Triebhaftes, Affektgeladenes – also allzu Privates – zum Verglühen und bereiten statt dessen eine Bühne für im kollektiven Gedächtnis bewahrte Archetypen und archaisch-mythische Erinnerungen.

Die kleine Form beherrscht Makarová, indem sie sich diese unterwirft und gefügig macht, ganz ohne verspielten Hang zum Ornamentalen. Doch ihr eigentliches Element ist das große Format, in dem sich die sinnliche Kraft der Expression voll entfalten kann, denn Makarová ist nicht Lyrikerin, sondern Dramatikerin. Sie geht energisch ihren Weg ohne Konzessionen an den Zeitgeist und hat aufgrund ihres technisch brillanten Fundaments ihren Stil gefunden, der die Ikonen- und Freskenmalerei ebenso transformiert wie den Expressionismus.

Für Saša Makarová ist das Malen eine Obsession, sie malt bis zum Umfallen, bis selbst erlebte Wirklichkeit und visuelle Phantasie auf dem Höhepunkt künstlerischer Ekstase ein Bild erschaffen. Dabei nutzt sie ihr Privileg, mit komplexer Symbolik und der gesamten Bandbreite menschlicher Emotionen spielen zu können, bis Farbnovellen von geheimnisvoller Magie entstehen.

 

Die Arbeitsbedingungen werden immer schlimmer
Öl auf Leinwand
verso signiert, bezeichnet und datiert 2007
50 x 70 cm

Mein bester Freund
Öl auf Leinwand
verso signiert, 2015
150 x 110 cm

Immer nach vorne schauen
Öl auf Leinwand
verso signiert, 2015
80 x 60 cm

Verwunschen
Öl auf Leinwand
verso signiert, 2010
140 x 160 cm

Es ist nur ein Traum
Öl auf Leinwand
monogrammiert, verso signiert, 2006
140 x 160 cm


Mader Heribert
Maderthaner Franziska
Makarová Saša
Missura-Gámenczy Margit
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien