Im Zuge der Niederschlagung des ungarischen Freiheitskampfes 1956 durch die übermächtige Sowjetarmee flüchteten hunderttausende Ungarn vor der Diktatur in den Westen. Unter ihnen waren auch Margit Gámenczy und ihr Partner und späterer Ehemann Czaba Missura. Glücklich in Österreich angekommen, musste die angehende Künstlerin zunächst ihren Lebensunterhalt sichern; erst von 1960 bis 1965 konnte sie ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Robin Christian Andersen und Herbert Boeckl absolvieren. Von 1968 bis 1970 war Gámenczy-Missura Gaststudentin an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, wo Hartwig Preuschl ihr Lehrer war. Als Resultat dieser Erfahrung entstanden interessante druckgraphische Arbeiten, die u.a. von Walter Koschatzky für die Albertina angekauft wurden. Ab 1967 stellte die Künstlerin ihre Werke der Öffentlichkeit vor, 1980 erhielt sie den Theodor-Körner-Preis.

Bis in die späten 1990er Jahre schuf Gámenczy-Missura ein beachtliches Œuvre, das in seinen Anfängen stark von der im österreichischen Expressionismus wurzelnden Auffassung Robin Christian Andersen geprägt war. Doch schon nach relativ kurzer Zeit löste die Künstlerin Formen in immer stärkerem Ausmaß auf. Motive und Landschaften begannen zu verfließen, und in der Folge entstanden erste abstrahierte Gemälde. In zunehmendem Ausmaß lieferten die Maler der 1948 in Paris gegründeten CoBrA-Gruppe geistige Anstöße für das Schaffen Gámenczy-Missuras. Mit diesen verband sie eine Ideologie, die sich gegen bürgerliche und akademische Vorstellungen wandte. Bilder sollten vielmehr spontan entstehen, überlieferte Begriffe wie „Ästhetik“ einer Reflexion unterzogen werden. In dem 1985 entstandenen Werk „Aufstieg“ zeigt sich ihre Hinwendung zum Informel als einer künstlerischen Haltung im Spannungsfeld von Formauflösung und Formwerdung. Gemälde der Künstlerin befinden sich heute u.a. im Besitz der Albertina, des ehemaligen Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, des Kulturamts der Stadt Wien sowie der National Galerie in Budapest.


Mader Heribert
Maderthaner Franziska
Makarová Saša
Missura-Gámenczy Margit
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien