Ergriffenheit und Staunen sind Schlüsselbegriffe für das Œuvre und künstlerische Selbstverständnis des österreichisch-argentinischen Malers Helmut Ditsch. Der imponierende Naturalismus seiner Bilder ist allerdings lediglich eine visuelle Ouvertüre für jene nicht sichtbare, nonverbale Erfahrungsdimension, die sich dem Betrachter kraft exzellenter künstlerischer Übersetzung erschließt. In den großartigen Werken, die in langer, konzentrierter Arbeit entstehen, demonstriert die Malerei eindrucksvoll, dass sie trotz des vielstimmigen Konzerts neuer Medien immer noch einzigartig ist. 

Bereits während der Schulzeit entdeckte Helmut Ditsch, 1962 in Buenos Aires (mit Doppelstaatsbürgerschaft) geboren, die beiden Leidenschaften seines Lebens: die Malerei und das Bergsteigen. Die einmalige Bergwelt der argentinischen Anden wurde ab 1985 zu seiner Passion, das wachsende Interesse an der Kunst führte ihn aber schon bald nach Österreich, in die Heimat seiner Vorfahren. 1988 begann er sein Studium der Malerei an der traditionsreichen Akademie der bildenden Künste in Wien, deren ausgezeichneter Ruf für diese Entscheidung ausschlaggebend war. Damals wurden an der Akademie noch altmeisterliche Malerei gelehrt und technische Grundlagen vermittelt, sodass junge Maler ein souveränes Fundament erhielten. Sich Ende der achtziger Jahre der Malerei zuzuwenden, noch dazu altmeisterlichen Techniken und Bildkonzepten, war allerdings anachronistisch zum damaligen Zeitgeist, zumal sich Medien- und Konzeptkunst selbstbewusst in Szene setzten. Diese Rolle als Außenseiter wurde Helmut Ditsch als Maler zur Herausforderung und begründet bis heute seine kompromisslose künstlerische Haltung, die Qualität und Poesie als wesentliche Parameter definiert.


In den Folgejahren entstand eine Reihe mittel- und großformatiger Werke, die ein spannendes Wechselspiel von Darstellungen österreichischer und argentinischer Bergwelten entfalten. Mit einem Großauftrag der Österreichischen Nationalbank 1997, an dem der Künstler zwei Jahre intensiv arbeitete, gelang ihm der Durchbruch. In der Folge wandelte sich Helmut Ditsch immer mehr zu einem Geheimtipp unter Österreichs großen Kunstsammlern. Zahlreiche Arbeiten seit den neunziger Jahren entstanden als Auftragswerke (u.a. für die Bundesimmobiliengesellschaft und die Wiener Zentrale des Baukonzerns STRABAG), allerdings ohne genaue thematische oder motivische Vorgaben. Auch der legendäre Bergsteiger Reinhold Messner, seit 1994 mit Ditsch befreundet, kaufte Gemälde für sein Museumsprojekt MMM an. Spätestens im Jahre 2010 gelangte der Künstler durch den Verkauf des Gemäldes „Das Meer II“ um US$ 865.000,- zu internationalem Ruhm. 

 

Während seines 25-jährigen Schaffens, begleitet von unzähligen Ausstellungen, Würdigungen und Ehrungen, entstanden vier Werkkomplexe, die thematische Untergruppen bilden – Berge, Wüsten, Eis und Wasser. Dass Helmut Ditsch´ Gemälde oftmals monumentale Ausmaße erreichen, setzt eine extreme mentale und körperliche Konzentration ebenso wie langjährige Malerfahrung voraus. Dabei entspringen die großen Formate einer inneren Logik, indem sie das erlebte Gefühl der Unendlichkeit bildnerisch zu vermitteln suchen. Jedem Gemälde gehen viele Wochen intensiver visueller Studien voraus, in denen der Künstler die jeweiligen Raumstrukturen vor Ort auf sich wirken lässt. Erst im Anschluss an eine Phase der Verinnerlichung, der emotionalen wie intellektuellen Verarbeitung des Geschehens, beginnt der eigentliche Malprozess. Hierin wird auch der große Unterschied zum Hyperrealismus deutlich: Während dieser auf Fotografie aufbaut, basiert die Malerei von Helmut Ditsch auf der Erfahrung der Natur selbst, ist also deren mentale Übersetzung.

 

Im Mittelpunkt der Begegnung mit extremen Naturphänomenen wie Wüsten, Eis, Bergwelten und unendlichen Wasserflächen steht die Suche nach dem Unvergänglichen, in der ein fernes Echo auf den frühen Tod seiner Mutter anklingt. Helmut Ditsch zeigt, dass auch Wüsten und Eis für ihn absolut lebendig sind  – er betrachtet die Natur von ihrer metaphysischen Seite. Wenn er malt, ist eine sakrale Dimension präsent. Es ist dieses „tiefe Naturgefühl“ (Gerbert Frodl) und nicht die scheinbare und bravouröse Naturimitation, die den Betrachter fesselt und bannt und ihn an der authentischen Erfahrung des Künstlers teilhaben lässt.

 

Reinhold Messner geht noch einen Schritt weiter, wenn er sagt: „Nicht wie diese Welt ausschaut, zeigt Helmut Ditsch, sondern wie tief wir in unsere eigene Psyche, in unser eigenes Inneres vorstoßen, ist die Frage. Der Menschennatur gilt unsere Aufmerksamkeit. Während ich vor fünfzig Jahren aufgebrochen bin, schwierige Wege zu irgendwelchen selbst erfundenen Zielen zu finden, sind wir heute unterwegs, um über Eis, Sand, die Wüste oder den Berg zu uns selbst zu kommen. Weil Helmut Ditsch aber Künstler ist, erzählt er nicht nur über seine eigene Welt, über seine Erfahrungen, sein Wissen. Als Schöpfer erzählt er mit seinen Werken über die Schöpfung.“

 

 

 

 

 

 

 


Dalpra Mario
Damisch Gunter
Ditsch Helmut
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien