Der österreichische Landschaftsmaler Franz Richard Unterberger brachte alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere mit. Seine Begabung war offenkundig, und seine Verbindungen waren glänzend, war doch sein Vater ein angesehener Kunsthändler in Innsbruck. Die erste Ausbildung erhielt der angehende Maler an der Akademie der bildenden Künste in München durch Clemens von Zimmermann und Julius Lange. 1858 folgte er seinem Mentor Professor Lange nach Mailand, wo dieser einen Lehrstuhl an der „Accademia di Belle Arti“ angenommen hatte. Durch politische Umstände zur Rückkehr in die Heimat gezwungen, wechselte Unterberger nach kurzen Aufenthalten in Innsbruck und München an die Düsseldorfer Akademie, wo die Landschaftsmaler Andreas und Oswald Achenbach sein Talent in neue Bahnen lenkten. Besonders Oswald Achenbach sollte Unterbergers Entwicklung nachhaltig prägen. Ihm verdankte er den entscheidenden Anstoß für sein Interesse an der arkadisch interpretierten Landschaft Italiens. 1868 wurde im Wiener Kunstverein das erste Italien-Motiv des jungen Künstlers mit dem Titel „Partie bei Neapel“ ausgestellt. Zu einem aufsehenerregenden Triumph geriet Unterbergers Teilnahme mit zwei Bildern an der Wiener Weltausstellung von 1873. Eines davon erwarb Erzherzog Franz Karl umgehend für seine Sammlung.

Obwohl im Repertoire des Malers zu dieser Zeit auch noch heroisch angehauchte Gebirgspartien zu finden waren, die vermutlich bei gelegentlichen Aufenthalten in seiner Vaterstadt Innsbruck entstanden, wurde er mittlerweile vor allem für seine italienischen Ansichten geschätzt.

Die sonnigen Küsten der Adria, Venedig mit seinen prachtvollen Bauten und malerischen Winkeln, aber auch die oberitalienischen Seen wurden für Franz Richard Unterberger ab 1870 zum Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens. Heute figuriert sein Œuvre als ein Paradebeispiel europäischer Salonmalerei des 19. Jahrhunderts, das bestechende Stilsicherheit und handwerkliche Meisterschaft verbindet. Bereits zeit seines Lebens wurde ihm viel Anerkennung zuteil. Seine Bilder waren in Ausstellungen in München, Brüssel, Paris und London vertreten und verkauften sich meist direkt von ihrer ersten Präsentation weg an namhafte Sammler. Dem Künstler wurden mehrmals Medaillen und 1874 von Kaiser Franz Joseph I. das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens verliehen. Wenn er nicht gerade auf Reisen war, wohnte Unterberger in Brüssel. Für eine seiner Arbeiten mit einem italienischen Motiv erhielt er 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia eine Goldmedaille, womit schließlich auch sein Durchbruch in Amerika besiegelt war. Von Mai bis Juli logierte der Maler regelmäßig in Neuilly, einem Vorort von Paris, wo er auch ein Atelier unterhielt. 1987 erinnerte das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum mit einer Retrospektive zum 150. Geburtstag an das Leben und Wirken dieses bedeutenden österreichischen Künstlers.

 


Unterberger Franz Richard
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien