Österreich 1903 – 1971 Nizza

Silvain Vigny ist wohl einer der interessantesten Künstler, die sich zuletzt am heimischen Markt etablieren konnten. Er gehört zu jener Gruppe in Österreich geborener Maler, wie etwa Willy Eisenschitz oder Elfy Haindl-Lapoirie, welche die inspirierende Kraft Frankreichs in ihren Werken kreativ zu nutzen verstanden. Vigny emigrierte in den zwanziger Jahren nach Frankreich, wo er sich zunächst in Paris, ab 1934 in Nizza niederließ. Schon bald wurden seine Werke in den Galerien entlang der Côte d´Azur sowie im Museum von Cannes ausgestellt. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zog jedoch sein spektakulärer Verkauf an das Musée National d´Histoire et d´Art du Luxembourg auf sich. Vigny hatte lautstark Einlass gefordert, sich auf seine Tätigkeit als Maler berufend. Der überraschte Museumsdirektor hatte sich daraufhin spontan zum Ankauf jener Werke des Künstlers entschlossen, die kurz darauf ohne Pinsel, nur mit bloßen Fingern, in seinem Büro entstanden. Diese ungewöhnliche Anekdote wirft ein deutliches Licht auf den Charakter Vignys. Der „peintre furioso“, wie ihn Jean Cassou in seiner Monographie nennt, wurde in der Folge auch immer wieder mit Caravaggio, Goya oder Géricault verglichen. Die spezifische Ästhetik seiner Bilder war und ist auch nicht aus zeitgleichen österreichischen Strömungen heraus zu verstehen, sondern vielmehr im Kontext der französischen und internationalen Moderne.

Vignys Malerei beruht auf autodidaktischen Studien, eine akademische Aus- bzw. Verbildung lehnte der junge Künstler, wie viele seiner Zeitgenossen, ab. Daher sind seine Bilder
gekennzeichnet von einer urtümlichen Kraft, die sich im schöpferischen Akt Bahn bricht und die schon bald die Aufmerksamkeit von Kollegen und Sammlern auf sich zog. Doch ist es vor allem die metaphysische Dimension, die Vignys Gemälde unverwechselbar macht.

Im Jahr 1938 verkaufte Vigny eines seiner ersten Bilder an das Museum von Luxemburg und gelangte damit erstmals zu internationaler Anerkennung. In der Folge erwarben zahlreiche Kunstliebhaber Gemälde des Künstlers, die vielfach mit den deutschen Expressionisten verglichen werden.

Vigny ist ein Verfechter der reinen Malerei. Er setzte die Tradition der Klassischen Moderne fort, versteht Farbe aber auch darüber hinausgehend in ihren autonomen, den Eigenschaften des Materials verpflichteten Qualitäten. Auf diesem Weg näherte er sich, trotz seines Festhaltens an Gegenstand und Außenwelt, der absoluten Malerei. Was er nicht riskierte, ist die allgemein nach 1945/50 zu beobachtende gänzliche Loslösung vom Gegenstand bzw. den daraus resultierenden Schritt zur abstrakten Malerei.

Text zu Foto Abendstimmung
Die „Abendstimmung in Südfrankreich“ ist ein herausragendes Beispiel für die existentiellen Fragen, die Vigny in seinen Werken aufwirft, Fragen nach der Bedeutung des für sich isolierten, oftmals beziehungslosen Individuums in einer Welt, die uns einmal feindselig und ablehnend, ein andermal flammend und fordernd erscheint. Der Künstler begnügte sich nicht mit der Umsetzung, der Darstellung und Interpretation eigenen psychischen Geschehens, er erwartete Dialogbereitschaft vom Betrachter, wollte die Kategorien des Denkens erschüttern, Sicherheit durch Aufruhr und Selbstgefälligkeit durch Reflexion ersetzen. Vignys Malerei war und ist eine Aufforderung zur Konfrontation mit uns selbst – eine hinreißende, mitreißende Aufforderung.


Saar von Karl
Schatz Otto Rudolf
Schrom Ernst
Simony Stefan
Suppantschitsch Maximilian
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien