Wien 1915 – 1998 Wien
1947 eröffnete Josef Hoffmann die damals zum Teil wieder aufgebaute Secession mit einer Personalausstellung Hans Robert Pippals. Damit wurde Pippals Werk erstmals in großem Umfang der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Einem breiten Publikum, auch im Ausland, wurde Pippal in der Folge vor allem durch seine Illustrationen bekannt, die 1948 in dem von Ernst Marboe herausgegebenen, auch in englischer und französischer Sprache und in mehreren Auflagen publizierten „Österreichbuch“ erschienen. Die Stadtvedute, die in den folgenden Jahrzehnten ein wichtiges Thema in Pippals Schaffen bildete, nahm darin bereits einen wichtigen Platz ein. Zur Vedute fühlte sich der Künstler immer in besonderer Weise hingezogen, ihr blieb er trotz weitreichenden Schaffens stets verbunden und kehrte periodisch, im Prozess künstlerischer Selbstfindung, zu ihr zurück.

Jedoch auch die Realität verlangte Aufmerksamkeit, und jeder Künstler sieht sich im Besonderen mit der Widersprüchlichkeit von innerer und äußerer Wirklichkeit konfrontiert. Hier gelang Pippal das beinahe Unmögliche, nämlich beide Pole zu harmonisieren, Aufträge anzunehmen und zugleich unbeirrbar den eigenen künstlerischen Weg zu beschreiten. So entstanden etwa zwischen 1947 und 1966 ca. 200 Bucheinbände und Illustrationen für die Verlage Zsolnay, Neff, Kindler, Arthemis, die Büchergilde Gutenberg u.a. Im Zuge des Wiederaufbaus, insbesondere in den 50er und 60er Jahren, führte der Künstler auch zahlreiche Arbeiten im monumentalen Format aus, beispielsweise zwei Goldmosaikplafonds im Wiener Burgtheater, sowie Mosaike für Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien. Repräsentative Gobelins wiederum befinden sich z. B. im Wiener Rathaus. Der Gobelin „Staatsvertrag“ wurde dem Amerikanischen Präsidenten General Eisenhower als Staatsgeschenk für das Weiße Haus in Washington DC überreicht; ein Zweitstück hängt in den Räumen des Bundesministeriums für Finanzen in der Himmelpfortgasse (Wien I).

In den Jahren 1950–53 führten ausgedehnte Reisen Hans Robert Pippal und seine Frau, die Architektin Mag. Eugenie Pippal-Kottnig, u.a. nach Frankreich, Schweden und in die USA. Die hier gesammelten Eindrücke und Erfahrungen trugen ein enormes Potential in sich, das Pippal in seiner künstlerischen Entwicklung erst nach und nach ausschöpfte. Er beteiligte sich in den 50er Jahren an zahlreichen Ausstellungen im Ausland, etwa an der XXV. und der XXVII. Biennale in Venedig (1950 bzw. 1954) und an der VII. Biennale in São Paolo (1963). Darüber hinaus zeigte er seine Arbeiten in New York, Pittsburgh, Curaçao, Stockholm und Hamburg. 1954 wurde ihm die Josef Hoffmann-Ehrung der Secession verliehen, und er wurde zum Professor h. c. ernannt.

In den 70er Jahren entdeckte Hans Robert Pippal eine neue Technik als ihm adäquate Ausdrucksmöglichkeit: das Email. In dieser Zeit entstanden eine Reihe großformatiger Emailarbeiten mit sakraler Thematik. Eine große croce dipinta (Öl auf Platte) beispielsweise befindet sich im Benediktinerstift Kremsmünster.

Von frühester Jugend an beschäftigte sich H. R. Pippal außerdem mit dem Porträt. Bei Oskar Kokoschka und Joseph Dobrowsky ansetzend malte er eine Reihe von Bildnissen, u.a. für die Bürgermeistergalerie des Wiener Rathauses und die Galerie des Parlaments sowie für die Rektorengalerie der Universität Wien. Auch Freunde, etwa den Schriftsteller Milo Dor, porträtiert er, teils mehrfach.

In seiner letzten großen Schaffensperiode waren es jedoch wieder die Städtebilder, denen sich Pippal in erster Linie zuwandte. In ihnen kommt seine enorme künstlerische Kraft zum Ausdruck, wie in den vorliegenden Ansichten von Venedig und Wien deutlich wird. Seismografisch, mit schneller Pinselschrift charakterisierte der Künstler die jeweilige Stadtlandschaft, verzauberte Bekanntes und lässt den Betrachter die subtilen Dimensionen der Wirklichkeit erspüren.


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Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien