Wien 1907 – 1997 Wien

De Künstler erhielt seine Ausbildung zunächst als Bühnen-bildner und übte diesen Beruf auch lange Jahre hindurch aus. Doch seine Skizzen zu Bühnen-ausstattungen waren bei Sammlern bald so begehrt, dass der junge Künstler seiner Neigung nachgehen konnte, sich ganz der Malerei zu widmen. Mit seinen Ansichten der Stadt Wien gelang ihm schon bald der Durchbruch zu internationaler Bekanntheit, gesteigert durch Bild-Kalender und Kunst-Postkarten nach seinen Motiven. In der Lebendigkeit der Szenerie und in liebevoller Detailzeichnung reihte er sich würdig in die Gruppe der bedeutenden Wiener Vedutenmaler, die ihren Ausgangspunkt bei Rudolf von Alt genommen und sich zwischen-zeitlich über Maler wie etwa Ernst Graner, Richard Moser oder Carl Wenzel Zajicek weiter entwickelt hatte.

Pokorny verschrieb sich wie die eben genannten Künstlerkollegen ganz der Aquarellmalerei, wendete diese jedoch nicht in ihrer ganz reinen Form an, sondern wusste darüber hinaus die Vorteile einer Verbindung von Aquarellfarben und Deckweiß zu nutzen. Ging es darum, den atmosphärischen Gehalt des Himmels wiederzugeben, so wählte der Künstler natürlich die reine Aquarellfarbe mit ihrem charakteristischen transparent-luftigen Ausdruck. Zur Darstellung städtischer Architektur und dem sich auf den Plätzen und in den Straßen abspielenden regen Treiben der Bevölkerung gab er allerdings der Gouache-Technik den Vorzug. So schuf er Blätter in herrlich leuchtenden Farben, deren Intensität als ein wesentliches Charakteristikum seiner Malerei angesehen werden kann. Ein weiteres Kennzeichen der Kunstwerke Pokornys liegt in ihrer durch intensives Sonnenlicht hervorgerufenen starken Kontrastierung. Der Künstler führt uns Wien als die „Bühne des Lebens“ vor Augen, mit theatralischen Be-leuchtungseffekten, in denen die scharfen Konturen der Schattenflächen den Figuren Plastizität verleihen und die Gebäudefassaden ausdrucksvoll beleben. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die mit Deck-weiß aufgesetzten „Spitzlichter“, die den Abschluss jedes Malprozesses bildeten und ein ideales Ausdruckmittel zum Hervorheben einzelner Fassadenteile oder Staffagen in der Vedute darstellten.

Richard Pokorny erfreute sich in Sammler- und Liebhaberkreisen einer stets wachsenden Beliebtheit, sodass er es sich leiste konnte, hektisches Ausstellungsgetriebe zu meiden – seine Bilder entstanden in der beschaulichen Atmosphäre der Zurückgezogenheit, und vielleicht ist dies mit ein Grund für die Ruhe und Harmonie, die die Werke des Künstlers ausstrahlen.


Pendl Erwin
Peter Emanuel Thomas
Pettenkofen August von
Pippal Hans Robert
Pokorny Richard
Poledne Franz
Preuss Rudolf
Prinz Karl Ludwig
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien