Wien 1822 – 1889 Wien

August von Pettenkofen war der Sohn des Großgrundbesitzers und Händlers Anton Pettenkofen und dessen Frau Maria Anna, geborene Edle von Nespern. Der Vater starb schon 1834 und ließ Frau und Kinder in wenig günstigen finanziellen Verhältnissen zurück. Noch im selben Jahr, also 12-jährig, trat Pettenkofen in die Akademie der bildenden Künste ein, wurde Schüler von Leopold Kupelwieser und später auch von Franz Eybl. In dieser Zeit beschäftigte er sich mit der typischen Genremalerei des Wiener Biedermeier, aber auch mit der Lithografie. 1841 bis 1843 leistete er seinen Militärdienst, und 1848 wurde er Illustrator der österreichischen Kriegsberichterstattung unter dem Einfluss von Carl Schindler. Im Zuge dieser Tätigkeit kam er in den ungarischen Ort Szolnok. Dieser Aufenthalt wurde zum Schlüsselerlebnis für den als menschenscheu beschriebenen Künstler, da er ihn zu einer neuartigen malerischen Auffassung führte. 1852 reiste er zum ersten Mal nach Paris, wo seine Gemälde mit ungarischen  Motiven von Kennern geradezu enthusiastisch aufgenommen wurden. In der Folge kam Pettenkofen in Kontakt mit der Landschaftsmalerei der Schule von Barbizon. Doch so sehr ihn auch der Gedankenaustausch mit Kollegen wie Decamps, Troyon, Rousseau, Dupré, Millet, Meissonier und Daubigny inspirierte, blieb sein Schaffen dennoch eigenständig. Es macht im Gegenteil den Eindruck, als ob er sich der eigenen Stärken durch den ersten Pariser Aufenthalt erst bewusst geworden wäre. Denn in den nächsten zwei Jahrzehnten pflegte er ganz besonders jenes Thema, das ihn bekannt gemacht hatte: die Puszta und ihre Bewohner. Seine Bilder wurden in dieser Periode zunehmend ruhiger. Alles Aktuelle, aber auch alles Historische verschwand aus seinem Schaffen, und die Landschaft trat in den Vordergrund. Zusehends entwickelte er sich zu einem einflussreichen Pleinair-Maler, dessen wesentlichstes Interesse der Darstellung von Stimmungen galt.

Auch in den folgenden Jahren reiste der Künstler immer wieder nach Paris, manchmal nur für ein paar Tage, meist für mehrere Monate. Auch Italien, das er schon als Kadett kennen gelernt hatte, besuchte er und hielt sich oftmals längere Zeit in Rom, Neapel und besonders in Venedig auf, wo er einige Winter verbrachte. Im Sommer oder Herbst jedoch zog es ihn nach Ungarn, das ihm fortwährend die meisten Motive für seine Bilder lieferte. Er begründete die Szolnoker Malerschule, eine Malerkolonie im ungarischen Ort Szolnok. Dank der dortigen besonderen Lichtverhältnisse schuf er interessante Landschaften, die die österreichische Kunst nachhaltig beeinflussten und Pettenkofen zu einem der wichtigsten Maler der Monarchie machten. Zahlreiche ungarische und slowakische Märkte, lagernde Zigeuner, Bauern bei ihren mannigfachen Beschäftigungen, niedrige Gehöfte mit weißen Mauern und Strohdächern, Dorfstraßen, von Gänsen und Schweinen belebt, die endlose Puszta, aus der nur hohe Ziehbrunnen aufragen – das waren die häufigsten Themen.

Als Künstler war Pettenkofen damit der einzige unter den Malern der alten Wiener Schule, der völlig über die heimatliche Lokaltradition hinauswuchs und bereits zu Lebzeiten einen internationalen Ruf genoss. Pettenkofen war seit 1857 Ehrenmitglied der Akademie von Amsterdam, 1863 erhielt er das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens. Im Jahr 1866 wurde der Künstler in die Wiener Akademie aufgenommen, 1872 Ehrenmitglied der Münchner Akademie, 1876 in den Ritterstand erhoben und 1880 zum Professor ernannt. Nach seinem Tod 1889 erhielt er ein gemeinsames Ehrengrab mit Leopold Karl Müller am Wiener Zentralfriedhof, das von Viktor Tilgner gestaltet wurde. Pettenkofens Werke sind in vielen öffentlichen Museen vertreten, so beispielsweise in der Österreichischen Galerie Belvedere, im Wien Museum sowie im Leopold Museum. Viele Arbeiten finden sich auch in bedeutenden Privatsammlungen, vor allem in der Sammlung Vanderbilt in New York und der Sammlung Karl Reichert in Wien.


Pendl Erwin
Peter Emanuel Thomas
Pettenkofen August von
Pippal Hans Robert
Pokorny Richard
Poledne Franz
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Prinz Karl Ludwig
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien