Das hier ausgeführte Motiv erwies sich als für den Maler besonders reizvoll, handelte es sich doch um die Darstellung eines hübschen Mädchens in der Blüte seiner Jugend. Es wurde als Brautjungfer ausgewählt und präsentierte sich dem Betrachter nun bereits sorgfältig auf seine ehrenvolle Rolle vorbereitet. Mit einem Kranz im Haar und im blütenweißen Kleid, sollte es alsdann der Braut den Schmuck anlegen und sie beim Hochzeitszug begleiten.
In heidnischen Zeiten, als noch böse Geister bei Hochzeiten vermutet wurden, hatten die Brautjungfern eine wichtige Funktion. Sie zogen sich Kleider an, die dem der Braut ähnlich sahen, um so die Geister zu verwirren. Sollte ein Geist tatsächlich versuchen, die Braut zu besetzen, dann hatte er einige Bräute zur Auswahl. Die Brautjungfer stellte somit einen Schutz vor allen spirituellen Gefahren dar, im Gegensatz zum Brautführer, der die Jungvermählten in früheren Zeiten vor irdischen Gefahren wie vermeintlichen Plünderern bewahren sollte.
Kriehuber konzentrierte sich in der künstlerischen Umsetzung vor allem auf die Figur der Brautjungfer selbst, ihren zarten, rosigen Teint, das kunstvoll gelegte, golden glänzende Haar und den Blütenkranz, der den Kopf anmutig umrahmt. Der Blick des Mädchens ist in die Ferne gerichtet, in freudiger Erwartung der kommenden Ereignisse. Es posiert, eingebettet in eine idealtypische Umgebung - im Hintergrund deutet der Künstler in zarten Lasuren den Blick in eine liebliche Landschaft an, im Vordergrund ruht ein schlanker Arm auf einem Lehnstuhl, der mit einem schön drapierten Tuch in Szene gesetzt wird. Eine harmonische Komposition mit natürlich-anmutiger Ausstrahlung.

   

Kaspar Paul
Kaufmann Adolf
Kaufmann Wilhelm
Koko Demeter
Kokoschka Oskar
Kriehuber Josef
Kubin Alfred
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien