Wien 1860 - 1954 Weißenkirchen

Man schrieb das Jahr 1894, als der junge Künstler Geller der Überlieferung nach eine von seinem Gönner, dem Großindustriellen Philipp Ritter von Schoeller, finanzierte Studienreise nach Italien kurz entschlossen abbrach, um über Salzburg und Regensburg nach Nürnberg zu ziehen. Dies führte zwar zum Bruch mit seinem Mäzen, leitete aber auch eine neue Lebensphase für Geller ein, da er hier sein Interesse an reich figuralen Szenen und Marktmotiven entdeckt haben soll. So entstand ein wesentlicher, künstlerisch sehr signifikanter Teil seines OEuvres - Märkte, die neben den Wachaubildern heute zu den gefragtesten Motiven des Künstlers zählen. Marktszenen waren Gellers Leidenschaft. Er sammelte sie richtiggehend, und das in allen ihm erreichbaren Städten der Monarchie, in Deutschland, Frankreich und Polen. Man könnte annehmen, dass Märkte für Geller mit der Zeit ihren Reiz verloren - doch weit gefehlt. Durch die Staffage, die Belebung mit verschiedensten Personengruppen und Nationalitäten, konnte er seinem Lieblingsthema auch bei ähnlichen architektonischen Situationen immer wieder neue Varianten abgewinnen. Und so ist jede dieser Marktszenen eine eigene Welt für sich und mit den jeweiligen Volkstrachten gerade charakteristisch für den Ort, wo sie sich abspielt. Einen besonderen Reiz üben dabei Bilder aus, die über ihre künstlerische Meisterschaft hinaus als Dokumentation von Zeitzuständen gelten. So ungezwungen und selbstverständlich diese Marktszenen auch erscheinen mögen, so sind sie doch mit einem sicheren Gefühl für ausgeglichene künstlerische Wirkung sorgfältig komponiert worden. Jeder Teil fügt sich harmonisch zum anderen, ist in Form und Farbe zum Ganzen abgestimmt. Unverkennbar ist dabei Gellers individueller, sehr einprägsamer Stil. Man würde Geller nicht gerecht werden, wenn man sein Schaffen als einzig auf das Marktmotiv beschränkt ansehen wollte - sein Gesamtwerk umfasst Genrebilder, Porträts und Blumenstücke, Landschaften, Architekturdetails und Interieurs - doch ist das Markt-Motiv ein Thema, dem sich Geller mit besonderer Vorliebe und Intensität gewidmet und in der Darstellung bunt bewegter Szenen seine besondere Meisterschaft gefunden hat.


Gauermann Friedrich
Geller Nepumuk
Goltz Alexander Demetrius
Graner Ernst
Gruber Franz Xaver
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien