Radkersburg 1850 – 1940 Wien


Marie Egner gehört zu den bedeutendsten Malerinnen Österreichs in der 2. Hälfte des 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie erhielt ihren ersten Zeichenunterricht ab 1867 auf der Steiermärkischen Landeszeichenschule in Graz von Hermann von Königsbrunn, von 1872 bis 1875 studierte sie in Düsseldorf bei Carl Jungheim und lernte hier Hugo Darnaut kennen, dem sie lebenslang freundschaftlich verbunden blieb. 1875 übersiedelte die Künstlerin nach Wien, wo sie einige Jahre später Emil Jakob Schindler kennen lernte, der sie in seinen Malkreis aufnahm. Gemeinsam mit Carl Moll und Olga Wisinger-Florian verbrachte Egner nun einige Sommer auf Schloss Plankenberg, die von einem intensiven künstlerischen Austausch geprägt waren.

Diverse Studienaufenthalte führten Egner unter anderem nach Dalmatien, Korfu, Deutschland und wiederholt nach Italien. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in London von 1887 bis 1889 stellten sich erste berufliche Erfolge ein. Egner reüssierte auf den Jahresausstellungen des Wiener Künstlerhauses und nahm an großen Kunstschauen im Ausland teil (Londoner Royal Academy 1888, Große Kunstausstellung in Berlin 1896, 1898 und 1899, Weltausstellung in Paris 1900, Internationale Kunstausstellung Düsseldorf 1904). Nach dem ersten Weltkrieg trat sie der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs bei, die 1926 ihr zu Ehren eine hundertachtzig Werke umfassende Ausstellung organisierte.

Das herausragende Merkmal des Œuvres von Marie Egner ist wohl die große Leidenschaft der Künstlerin für die Freilichtmalerei, die sie schon sehr früh entdeckte. Deshalb wurde auch die Begegnung mit Emil Jakob Schindler für sie zum bedeutenden Erlebnis – künstlerisch wie menschlich. Beide verband das Bestreben, das persönliche Empfinden vor dem Motiv, vor der Natur in Malerei zu verwandeln. Doch so sehr Schindler auch Vorbild war, gelang es Egner, sich von diesem zu lösen und einen durchaus eigenständigen Weg zu gehen. Sie verabschiedete sich von der Tonmalerei und entschied sich für die Farbe. Und noch etwas prägte ihre Arbeiten: der flotte, flüssige Duktus, zu dem sie aufgrund intensiver Aquarellstudien in London in den späten achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts gelangt war.

Bei ihren Arbeiten wählte Marie Egner aus dem Alltag gegriffene Sujets als Motiv, die mit spontan hingesetzten Pinselstrichen künstlerisch gedeutet wurden. Darin spiegelt sich jene für die damalige Zeit neue, unmittelbare Haltung der Künstlerin zur Umwelt wider, Egners sehr individueller Gegenwartsbezug, und es entstand ein Spannungsverhältnis zwischen der freien Setzung von Farben und Formen auf der einen und dem unmittelbaren Erleben auf der anderen Seite.


Egner Marie
Eidenberger Josef
Ender Thomas
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien